Nachhaltige Verpackung #Fallstudie

15. Juli 2022

Der Begriff „Nachhaltigkeit“ ist längst in aller Munde. Kaum mehr ein Wirtschaftszweig kann sich der Trendwende entziehen. Auch die Verpackungsindustrie lenkt ihren Fokus seit geraumer Zeit auf diese Thematik.

Bereits 2019 gastierte die Fachpack zum Leitthema „Nachhaltigkeit in der Verpackungsindustrie“. Unternehmen bekunden ihr nachhaltiges Engagement mit ganzen Websiteabschnitten zu Sustainability.

Was sind Nachhaltige Verpackungen?

Nachhaltige Verpackungen sind aus recycelbaren und/oder nachwachsenden Rohstoffen und werden umgangssprachlich auch als umweltfreundliche Verpackungen bezeichnet. Dabei kommt es vor allem darauf an, so wenig Ressourcen als möglich zu verbrauchen. Deshalb spielt sowohl die Menge der verbrauchten Materialien, als auch die Höhe der eingesetzten Energie eine große Rolle, wenn es darum geht eine nachhaltige Verpackung herzustellen.

Packmittelhersteller überdenken funktionstüchtige Verpackungsvarianten nicht nur der Nachhaltigkeitsaspekte wegen. Veränderungen bei der Produktion hin zur umweltfreundlichen Verpackungen zum Wohle unseres blauen Planeten und als Antwort auf die immer lauter werdende Ansprüche der Verbraucher sind nichts ungewöhnliches mehr. Nachhaltig verpacken ist Gesellschaft regelrecht angekommen.

Satte 18,9 Millionen Tonnen Verpackungsabfall sind in Deutschland 2018 laut Umweltbundesamt (UBA) angefallen. Spitzenreiter sind Papierabfälle und Kunststoff. Papier und Karton wurden zu 87,7 Prozent recycelt, Kunststoff hingegen lediglich zur Hälfte.

Welche Verpackung ist nun also die „nachhaltigste“? Grundsätzlich steht vor jeder produzierten Verpackung die Verwertung von Ressourcen. Dem ist nichts hinzuzufügen. Nun gibt es erneuerbare Rohstoffe, welchen ab und an eine Verschnaufpause gegönnt sei, aber auch endliche Materialien, deren letzte Tage irgendwann anbrechen werden. Deshalb lautet die Antwort ganz klar: Keine! 

Keine Verpackung bedeutet umweltfreundlicher und damit nachhaltiger Verbrauch. Da jedoch der sogenannte „Zero-Waste“ längst nicht die ganze Wahrheit darstellt, sind weit aus mehr Aspekte zu betrachten. Dazu lohnt es die Funktionen eines Packmittels näher zu beleuchten: 

Was sind die generellen Funktionen von Verpackungen?

Verpackungen dienen der effizienten und geordneten Warenverteilung, sie schützen nicht nur das Produkt vor Außeneinflüssen, sondern auch teilweise die Umwelt vor dem Produkt selbst (Stichwort Gefahrengut). Zudem sichern sie die Haltbarkeit und sorgen für einen reibungslosen Transport. Verpackungen dienen auch dazu, Verbraucher über beispielsweise das Mindesthaltbarkeitsdatum oder Inhaltsstoffe zu informieren. Zu guter letzt tragen sie zum Widererkennungswert der Marke bei.

„Was viele Menschen übersehen: Verpackungen haben einen großen Wert für die Umwelt. Verpackungen schützen mit verhältnismäßig wenig Aufwand große Werte. Bei Lebensmitteln stammt rund 90 % der ökologischen Belastung vom Lebensmittel selbst – und nur 10 % von der Verpackung.“

Deutsches Verpackungsinstitut

Außerdem hat die Verpackung verschiedene anwendungstechnische Funktionen wie beispielsweise eine leichte Stapelbarkeit, eine Wiederverschluss-Möglichkeit, oder eine gute Standfestigkeit etc..  

Es ergibt sich die logische Konsequenz: Güter ohne Verpackung sind nicht immer möglich- oder umgangssprachlich gesagt, verpackungslos ist auch nicht das „gelbe vom Ei“. Was also dann? 

Die Industrie schlägt verschiedenste Wege ein, um Verpackungen nachhaltig bzw. nachhaltiger zu gestalten:

Welche nachhaltigen Alternativen gibt es zu herkömmlichen Verpackungen?

Biobasierte Verpackungen

Materialien, die aus Biomasse, also organischen Substanzen, hergestellt werden, bezeichnet man als “biobasiert”. Im Fall von Bioplastik stammt die Biomasse aus nachwachsenden Rohstoffen wie beispielsweise Mais, Zuckerrohr oder Zellulose.

Bei Biokunststoffen kann es sein, dass Produkte, obwohl sie als „biobasiert“ gekennzeichnet sind, nur zum Teil aus Biomasse bestehen und zum Teil aus fossilen Rohstoffen (Polymeren). Hier gibt es keine klare Definition und Regelung.

Verpackungen aus biologisch abbaubaren Kunststoffen

„Die biologische Abbaubarkeit umfasst die Eigenschaft eines Stoffes, durch Mikroorganismen in Anwesenheit von Luftsauerstoff zu Kohlendioxid, Wasser, Biomasse und Mineralien sowie unter Luftabschluss zu Kohlendioxid, Methan, Biomasse und Mineralien zersetzt zu werden, wobei kein Zeitraum definiert ist. “So die Definition des Deutschen Institut für Normung (DIN) in 16208.

Dabei ist “biologisch abbaubar” nicht zu verwechseln mit “abbaubar”.  Ersteres beschreibt eine Zersetzung in Bestandteile, die in der Natur vorkommen, insbesondere Kohlenstoffdioxid und Wasser. Letzteres bezieht sich auf die Verwitterung oder den Zerfall größer Plastikteile in Mikroplastik. In dieser Form ist es zwar kaum noch sichtbar, jedoch nicht weniger umweltschädlich.

Kompostierbare Verpackungen

“Kompostierung” bezieht sich auf den gleichen Prozess im Zeitraffer unter optimierten Bedingungen – also vom Menschen extra herbeigeführte Umstände, die in der Natur normalerweise nicht vorkommen. 

Alle kompostierbaren Kunststoffe sind auch biologisch abbaubar, aber nicht alle biologisch abbaubaren Kunststoffe sind kompostierbar.  Als „kompostierbar“ gekennzeichnete Biokunststoffe sind nicht für den Kompost im heimischen Garten ausgelegt, sondern allenfalls für die industrielle Kompostierung.

Fazit: Die Kombination machts! Frei nach dem Motto „Gut, besser, am besten“, lässt sich der Themenkomplex folgendermaßen darstellen:

Papier, Karton und Kartonage

Recycling lautet der Schlüssel des Erfolgs von Verpackungen auf Holzbasis. Holz als organisch gewachsener Rohstoff bildet die optimale Basis für umweltfreundliche Verpackungen. Die hohe Recyclingquote macht Papier, Karton und Kartonage zur beliebtesten nachhaltigen Verpackung. Zellulosefasern können bis zu sechs Mal wiederverwendet werden! Besonders die vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten dieser Verpackungen sprechen für das Material. Holz ist also die Basis für eine recyclebare Verpackung

Nachteil: Papierbasiertes Verpackungsmaterial ist nicht beständig gegenüber Feuchtigkeit und Sauerstoff, weswegen es häufig im Verbund mit Aluminium oder Kunststoffen zu finden ist. 

Packpart - Nachhaltige Verpackung

Wellpappe ist sogar noch nachhaltiger und umweltfreundlicher als Papier, Karton oder Kartonage. Für die Herstellung müssen keine Bäume gefällt werden.

Bruch- und Durchforstungsholz stellen häufig die Grundlage der Produktion. Leim, als Klebstoff natürlichen Ursprungs, fixiert die einzelnen Bestandteile.

Als absolutes Kreislaufprodukt in Bezug auf die Recyclingfähigkeit, definitiv im Nachhaltigkeits-Ranking erwähnenswert. In Zeiten des florierenden Online-Handels hat sich besonders Wellpappe als Beigabe im Karton erwiesen. Wo sonst mit Luft gefüllte Plastikkissen die Produkte vor Bruch und Beschädigung schützten, übernimmt Wellpappe als organisches Verpackungsmaterialen diese Aufgabe. 

Graspapier rundet den Bereich ab. Der Grundsatz: Gräser wachsen schneller und in größerer Anzahl nach als Holz. Ohne den Einsatz von Chemie und Wasser werden die Gräser rein mechanisch aufbereitet.

Auch die CO2-Bilanz kann sich sehen lassen. Im Vergleich zu Frischfaserzellstoff aus Holz spart die Produktion 95 % CO2 ein. Graspapier eignet sich ebenfalls für die Beimischung von Verpackungen aus Holzzellstoff. Bis zu 50 % Ersetzung sind bereits heute möglich. Trockene Lebensmittel, Kosmetik, nicht flüssiges Waschmittel sind Produktbeispiele für den Einsatz von Graspapier. Kompostiert werden sollte der All-Rounder allerdings nicht.

Die Nachhaltigkeit steigert sich mit dem Recycling des Produkts, was bedeutet, dass diese Verpackung im Altpapier landen sollte. Biologisches Verpackungsmaterial der anderen Art!

Aluminium

Aluminium-Dosen mit Erfrischungsgetränken gefüllt, die Senftube, Schokolade und so weiter. Aluminium eignet sich als Sauerstoff -und Feuchtigkeitsbarriere, ist kälte- und hitzebeständig, leicht und wiederverwertbar.

Wegen dieser Eigenschaften ist es als Verpackungsmaterial für unter anderem Lebensmittel und Küchenhelfer im Haushalt sehr beliebt. 2/3 aller Aluminiumreste lassen sich recyclen. Aluminium ist kein nachwachsender Rohstoff. Die Aluminium-Verpackungsindustrie setzt auf Recycling. Noch etwa 75 % des bislang erzeugten Aluminiums befindet sich noch heute in Umlauf.

Allerdings stellen Verbundverpackungen, sprich Verpackungen bei denen Aluminium einen Bestandteil darstellt, noch immer ein Problem in der Recyclings Fähigkeit dar. Die Stoffe können nicht sauber voneinander getrennt werden. Bedruckte Aluminiumverpackungen können beim Einschmelzen organische Giftstoffe abgeben.

Nur 11 % der Verbraucher fühlen sich bezüglich der Nachhaltigkeit von Verpackungen ausreichend gut informiert.

Ergebnis einer Studie der Strategie- und Marketingberatung Simon-Kucher & Partners im März 2021

Der Gewichtsvorteil kommt besonders dem Transport zugute. Einsparungen von CO2 durch geringere Ausstoßung während der Beförderung steigern die vermeintliche Attraktivität der Verpackung. Verarbeitende Industrieunternehmen sind stetig dran, Verpackungen aus Aluminium noch dünner zu gestalten, um das notwenige Material zu minimieren.

Selbst im Vergleich mit Plastikverpackungen sieht Aluminium nicht gut aus. Beim Recycling von jeder Tonne Aluminium werden im Gegensatz zu Plastik zwar 0,1 Tonnen CO2-Äquivalente pro Tonne recyceltes Material eingespart. Dafür werden bei der Produktion von Primäraluminium durchschnittlich 13,5 Tonnen CO2-Äquivalente pro Tonne Primäraluminium freigesetzt. In der Plastikproduktion hingegen sind es bis zu 2,4 Tonnen CO2-Äquivalente.

Nur 11 % der Verbraucher fühlen sich bezüglich der Nachhaltigkeit von Verpackungen ausreichend gut informiert. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Verbraucher:innen-Befragung von 1001 Konsument:innen in Deutschland zu ihrer Einstellung zu und Zahlungsbereitschaft für nachhaltige Verpackungen durch die Strategie- und Marketingberatung Simon-Kucher & Partners im März 2021.

Verständlicherweise, schließlich ist es enorm schwer Verpackungsmaterialien in schwarz und weiß einzuteilen. Auf jedes „Für“ folgt ein „Wider“. 


Hier kommen unsere Handlungsempfehlungen für drei der gefragtesten Alltags-Produkte:

Nachhaltige Verpackung für Waschmittel

Waschmittel: Mehrweg statt Einweg! Der Markt für Waschmittel wird mittlerweile von Mehrweg-Modellen aufgemischt. Erste Drogerien testen vereinzelt das Angebot, vor Ort praktisch die Flasche auffüllen zu lassen. Diese Strategie gleicht der von „Unverpacktläden“.

Wie lange eine flächendeckende Umsetzung noch dauert, ist jedoch fraglich. Waschpulver kann problemlos in Verpackungen auf Holzfaserbasis angeboten werden. Es muss nur bedingt vor Feuchtigkeit und Sauerstoff geschützt werden.

Betrachtet man flüssiges Waschmittel, wird dieses aktuell hauptsächlich in aus Bioplastik hergestellte Packmittel gefüllt. Wobei zu beachten ist, dass biobasierte und biologisch abbaubare Varianten nur selten vertreten sind, weswegen vom Kauf abgesehen werden sollte.

Nachhaltige Verpackung für Lebensmittel

Lebensmittel: Wohl kein Material kommt dichter mit dem Lebensmittel in Kontakt als die Verpackungen. Mit der Aufgabe Lebensmittel vor Außeneinflüssen zu schützen, Haltbarkeit zu gewährleisten, dem Verbraucher wichtige Informationen, wie zum Beispiel Hinweise auf Unverträglichkeiten zu liefern, spielen Lebensmittel-Verpackungen eine tragende Rolle.

Nicht alle Lebensmittel können verpackungsfrei produziert und transportiert werden. Schon heute gibt es Möglichkeiten Folie zur Umverpackung aus Holzfasern herzustellen. Allerdings zu einem dreifach so hohen Preis, wie die herkömmliche Folienproduktion aus Erdöl.

Aus diesem Grund lässt sich Holzfaser-Folie noch nicht vollständig kostendeckend integrieren. Verbraucher sind Studien zufolge zwar bereit einen gewissen Mehrpreis für ökologische Verpackungen zu bezahlen, doch eine praxisorientierte Umsetzung ist noch nicht erprobt.

Von Bioplastik-Varianten ist auch im Lebensmittelbereich abzusehen. Der Grundgedanke befindet sich auf dem richtigen Weg, benötigt jedoch noch Zeit komplett durchdacht zu sein. Kombiniert jedoch mit dem mehrfachen Einsatz von bpsw. Behältnissen aus Bioplastik (Kaffee-To-go-Becher) könnte Bioplastik eine echte Alternative darstellen.

Vakuumverpackungen, sogenanntes Smart Packaging, sparen durch die Aussparung von Sauerstoff Verpackungsmaterial.  Besonders die Sealpac GmbH hat sich damit einen Namen im Bereich der nachhaltigen Verpackungen gemacht. Fleisch und andere Frischware kann nicht nur appetitlich präsentiert werden, sondern verlängert gleichzeitig die Haltbarkeit.

Ein brandaktuelles Thema in der Verpackungsindustrie ist das Prinzip von „Rezyklat“. Qualitativ hochwertiges Rezyklat ist außerordentlich wertvoll. Denn recycelter Kunststoff, der gut aufbereitet und besonders rein ist, unterscheidet sich kaum von Neuware, ist aber noch nicht in ausreichender Menge verfügbar.

Darüber hinaus ist Rezyklat teurer als frisch gewonnenes Plastik aus fossilen Quellen. Noch. Denn je mehr die Rückgewinnung zum Standard wird, desto stärker sinken die Kosten. Spätestens seit eine große Lebensmittelkette das Material der eigenen Wasserflaschen zu mindestens 50 % durch Rezyklat ersetzt und damit wirbt, ist Rezyklat in aller Munde.

Nachhaltige Verpackung für Kosmetik

Kosmetik: In der Beauty-Branche reicht es für ein grünes Image längt nicht mehr, nur noch pflanzliche Inhaltsstoffe zu verarbeiten. Umverpackungen aus Holzspänen schützen das Produkt vor Feuchtigkeit, Sauerstoff und sind ölabweisend. Jedoch ist deren Haltbarkeit noch nicht mit klassischen Verpackungslösungen zu vergleichen.

Shampoos und Spülungen können flächendeckend in festem Zustand zu kaufen sein. Eingepackt in kleinen Kartons haben Plastikflaschen ausgedient. Aufgrund der simplen Handhabbarkeit sind sogenannte Refill-Stationen in vielen Unverpacktläden, wie auch Drogerien zu finden.

Selbst recyclebare Flaschen aus Papier sind im Kosmetikbereich gut einsetzbar. Namhafte Hersteller entwickelten diese gemeinsam mit einer dänischen Firma. Besonders dem Einsatz von Glasflaschen zum Wiederbefüllen dankt die Umwelt.

Packpart - Nachhaltige Verpackung Alltagsprodukte

Das Verpackungsgesetz – Welche Pflichten gelten für Hersteller und Händler?

Auch die Politik drängt Verpackungsmaschinenhersteller zu mehr Verbindlichkeit in Bezug auf Recycling. Das neue Verpackungsgesetzt trat 2019 in Kraft und löste die Verpackungsordnung ab.

Verpackungsgesetz 2019

Das Verpackungsgesetz von 2019 soll den Anteil von Mehrweggetränke-Verpackungen erhöhen und dafür sorgen, dass Verpackungsabfälle zukünftig noch öfter haushaltsnah gesammelt werden. Das Verpackungsgesetz begründet zahlreiche Pflichten für Onlinehändler, Sachverständige und weitere Stellen. Bußgelder bis zu 200.000 Euro könne für Verstoße vergeben werden. Folgende Ausführungen regelt das VerpackG:

Erweiterte Begriffsbestimmungen

Die Definition einzelner Begrifflichkeiten rund um Verpackungen, wurden zum Großteil aus der Verpackungsverordnung übernommen. Die Grundinhalte lagen in der Klarstellung darin, dass auch Versandverpackungen als Verkaufsverpackungen gelten. Dies wirkt sich darin aus, dass auch Online-Händler beteiligungspflichtig sind. Weiter wurde unteranderem der Begriff „Mehrwegverpackung“ definiert.

Erhöhung der Recyclingquoten für Verpackungen

Bisher gültige Mindest-Recyclingquoten wurden in allen Materialarten mit dem VerpackG angehoben. Die Systeme müssen im Rahmen des Mengenstromnachweises jährlich nachweisen, dass sie die Quoten erfüllen. Die Quoten gelten für Verpackungen, die bei dualen Systemen lizenziert sind und von ihnen im Jahresmittel erfasst werden.

Ausweitung der Pfandpflicht und der Förderung von Mehrweg 

Die bis dato bestehende Rücknahme- und Pfandpflicht von 25 Cent für bestimmte Einweggetränkeverpackungen wurde mit dem VerpackG auf Frucht- und Gemüse-Nektare mit Kohlensäure (z.B. Apfelschorlen aus Nektaren) und auf Mischgetränke mit Molkeanteil von mehr als 50 Prozent ausgeweitet. Weiter eingeführt wurde eine Hinweispflicht für den Handel (einschließlich des Versandhandels). 

Beide wurden grundsätzlich verpflichtet, mit deutlich sichtbaren Hinweisschildern klar mit der jeweiligen Bezeichnung (im Regal, beim Versand) auf Einweg- und Mehrweggetränkeverpackungen hinzuweisen

Schaffung einer „Zentralen Stelle“: erweiterte Registrierungs- und Datenmeldepflichten, einheitliche Marktüberwachung

Mit dem VerpackG wird eine neue Behörde „Zentrale Stelle Verpackungsregister“ als zentrales Kontrollorgan geschaffen. Eine Registrierungspflicht und Verpackungsmengen-Meldungen bilden das Fundament. Auch Sachverständige, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, vereidigte Buchprüfer sind verpflichtet über ihre Tätigkeit Auskunft abzugeben.

Stärkere Ausrichtung der Lizenzentgelte für die Verpackungen an ökologischen Kriterien

Das VerpackG verpflichtet die dualen Systeme (gemäß § 21 Abs. 1 VerpackG) über die Bemessung ihrer Lizenzentgelte (Beteiligungsentgelte), die sie von den Herstellern und Vertreibern der Verpackungen für die Sammlung und Verwertung erheben, Anreize für eine nachhaltige Verpackungsproduktion/-gestaltung zu schaffen. Zusätzlich wurden Mindeststandards für recyclinggerechtes Design gemeinsam mit dem Umweltbundesamt erarbeitet.

Option zur Einführung der Wertstofftonne, Stärkung der Gestaltungsrechte der Kommunen Gestaltungsrechte der Kommunen 

Eine verbindliche Vorschrift zur bundesweiten Einführung einer Wertstofftonne wird mit dem VerpackG nicht eingeführt. Zur Erleichterung der Zusammenarbeit zwischen den Kommunen und den dualen Systemen erhielten die öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger im VerpackG zusätzliche Einfluss und Steuerungsmöglichkeiten.

Erweiterte Bügerinformationspflichten

Die dualen Systeme haben erweiterte Aufgaben in der Bürgerinformation zusätzlich selbst übernehmen.

Definition Duales System: Das Duale System bezeichnet die haushaltsnahe Sammlung und Entsorgung von gebrauchten Verkaufsverpackungen in Deutschland. Es folgt den Vorgaben des deutschen Verpackungsgesetzes.


Interview mit Winfried Batzke vom Deutschen Verpackungsinstitut zum Thema Nachhaltigkeit in der Verpackungsindustrie

PackPart: Welche Vorteile bringen nachhaltige Verpackungen generell mit sich? 

Winfried Batzke: Verpackung sind allein dadurch nachhaltig, dass sie Produkte schützen und aufbewahren, deren Herstellung mindestens das 10fache an CO2 verbraucht, als sie selbst. Andererseits werden aber zur Herstellung von Verpackungen Materialien, Wasser und Energie verbraucht. Ob eine Verpackung als nachhaltig bezeichnet werden kann, hängt also einerseits von Faktoren wie Materialverbrauch oder Energieeinsatz ab, andererseits aber auch von den spezifischen Bedingungen ihres Einsatzes, wie z.B. Transportentfernung und Wiederverwendung oder     Recyclingaufwand und Entsorgungsmöglichkeiten ab. Es gibt also nicht „DIE nachhaltige Verpackung“, sondern die für jeden einzelnen Anwendungsfall optimale Verpackung.

„Wenn Verpackungshersteller einen nachhaltigen Ansatz verfolgen […], steigen ihre Chancen im Wettbewerb.

Winfried Batzke – Deutsches Verpackungsinstitut

Packpart: Welche Vorteile können sich Verpackungshersteller schaffen, indem sie auf nachhaltige Verpackungslösungen zurückgreifen?              

Winfried Batzke: Wenn Verpackungshersteller einen nachhaltigen Ansatz verfolgen, indem sie Material einsparen, kreislauffähiges Material verwenden, Rezyklate einsetzen oder nachwachsende Rohstoffe verwenden und ihr Engagement glaubhaft vermitteln, steigen ihre Chancen im Wettbewerb. Sie werden als verantwortungsvoll handelnde Unternehmen wahrgenommen und sind für Ihre Kunden und zukünftige Mitarbeiter attraktiv.  

PackPart: Wie kann durch die die Nutzung nachhaltiger Verpackungen ein Alleinstellungsmerkmal für ein Produkt entwickelt werden?              

Winfried Batzke: Da die Schutzfunktion von Verpackungen vorausgesetzt wird, besteht die Möglichkeit der Unterscheidung am Markt durch sinnvolle Nachhaltigkeitsstrategien. Hierbei spielt die richtige Kommunikation eine große Rolle. Eine Verpackung beispielweise aus Kunststoff kann durch die verbesserte Recyclingfähigkeit oder den geringen Materialeinsatz im Einzelfall ebenso als nachhaltig herausgestellt werden, wie Verpackungen aus faserbasierten Materialien, Glas oder Metall. 


Welche natürlichen, ökologischen und nachhaltigen Verpackungen werden uns die nächsten Jahre häufiger über den Weg laufen?

Das Unternehmen kompackt61 „(…) entwickelt und vertreibt nachhaltige Verpackungslösungen aus Jute für den Versand von sensiblen Waren, wie Lebensmitteln und Pharmaka. Die Versandboxen und Isoliertaschen aus Naturfaser sind dabei ebenso leistungsstark wie synthetische Materialien, im Gegensatz dazu aber biologisch abbaubar und klimaneutral.“ so das Start-up aus Deutschland.

Styropor ist eines der meist verwendeten Verpackungsmaterialien, besonders für den Versand. Für die Umwelt ist dieser Stoff jedoch alles andere als verträglich. Styropor ist weder biologisch abbaubar noch umweltschonend in der Herstellung. Rund 1,5 Liter Benzin werden benötigt, um einen einzigen Würfel Styropor herzustellen. Das amerikanische Unternehmen Ecovative hat eine Möglichkeit gefunden, Styropor zu ersetzen.

Mit einem innovativen Verfahren werden aus biologischen Abfällen und Pilzen innovative Verpackungen in beliebigen Formen hergestellt. Die Bioabfälle werden zunächst zerkleinert und mit speziellen Pilzkulturen (Myzel) vermischt. Nachdem das Myzel über mehrere Tage gewachsen ist, wird die Mischung erneut zerkleinert und in die endgültige Form gebracht. Das Wachstum wird durch den Bioabfall ermöglicht, die den Pilzen als Nahrung dienen.

Innerhalb von 5 Tagen hat das Wachstum des Gemischs die gewünschte Form erreicht. Anschließend wird die kompakte Masse noch einem Hitzeschub ausgesetzt, um das Wachstum zu stoppen und das Material keimfrei zu machen. Auch Algen innovieren die Verpackungsindustrie auf vollkommen natürliche und ökologische Art und Weise.

Mit weniger als 1 Cent je Stück ist die Erfindung des britischen Start-ups Ohoo bereit den Markt für flüssige Nahrung zu revolutionieren. Die Verpackungen sind aus Seetang hergestellt, zu 100 Prozent biologisch abbaubar und essbar. Das Besondere der Erfindung liegt in der außergewöhnlichen Art der Verpackung, die der natürlichen „Verpackung“ von Früchten nachempfunden ist.

Durch den Prozess der Spherifikation bildet sich eine Art wasserdichte Haut um die Flüssigkeit herum, vergleichbar der Haut einer Traube. Flüssige Lebensmittel könnten so in kleinen Portionen wie frisches Obst verkauft werden und die Produktion von Milliarden Wasserflaschen in Zukunft überflüssig machen.